Vom grossen Marsch in Indien

Von Jan von Rennenkampff*

Madurai, Gwalior, Ekta Parishad

Meine Indienreise hatte Madurai als Ziel. Hier sollte ich die nächsten Wochen mit dem Nigazh – Theater Center von Shanmugaraja zusammen Arbeiten.

Als ich am 24. September 2012 in Madurai ankam, waren die Nigazh Leute damit beschäftigt, Masken für den Jan Satyagraha, den grossen Marsch nach Delhi der Ekta Parishad, vorzubereiten. Diese Masken sollten ab dem 2. Oktober 2012 im Einsatz stehen und die Landlosen bei ihrem Marsch begleiten. Drei Tage später waren die 500 Masken fertig. Wir luden diese in unsere Sleeper Wagons im Zug und fuhren nun die 2200 km von Madurai über Chennai nach Gwalior.

Zwei Tage später kamen wir müde und verdreckt in Gwalior an. Hier versammelten sich die Landlosen schon seit Tagen und warteten auf das Zeichen zum Losmarschieren. Am 2. Oktober, dem Gandhijiday, versammelten sich 70 000 Menschen in einem Zelt und lauschten der Reden von Rajagopal, dem Leader der Ekta Parishad und einigen Landesfürsten der einzelnen Provinzen Indiens, sowie einzelnen Ministern der indischen Regierung.

Die Regierung ging aber auf die Forderungen der Landlosen nur halbherzig ein. Darum entschloss sich die Ekta Parishad zu marschieren. Sie kamen der Regierung insofern etwas entgegen, als sie von den 70 000 ca. 40 000 nach Hause schickten. Aber ca 25 000-30 000 Landlose nahmen dann den Weg am Morgen des 3. Oktobers diszipliniert unter die Füsse.

Wir hatten am Tag zuvor mit unseren 500 Masken einen Riesenauftritt. Shanmugaraja war einen Tag nach uns aus Chennai gekommen, er hatte noch einen Drehtag gehabt. In Tamil Nadu, wo er herstammt, ist Sanmugaraja ein Star. Er spielt dort immer den Bösewicht, obwohl er im richtigen Leben ein herzensguter Mensch ist.

Shanmuga und ich führten die Regie beim Schmücken des Wagens, den die Nigazhleute besorgt hatten. Wir hängten verschiedene Masken an den Traktor und an den Wagen. Dann statteten wir die Menschen mit den Masken aus und diese liefen dann in einer Zweierkolonne vor die Tribüne der Redner. Die gesamte Presse stürzte sich auf dieses Bild, das eher an die Basler Fasnacht erinnerte, als an eine politische Demonstration in Indien. Der Effekt war gigantisch und Küde Meier der Initiator des Ganzen und Vizepräsident des Cesci Fördervereins in Zürich, der wiederum die Ekta Parishad unterstützt, war überglücklich. Wir hatten erst noch etwas mehr Performance angedacht gehabt, aber das ging in der Hektik unter.

Die nächsten Tage verbrachten wir teilweise auf dem Marsch und teilweise in Gwalior. Die Masken hatten sich unter die Leute verteilt und bevor wir am 5. Oktober den Marsch verliessen, besuchten wir noch einmal das bunte und auch fröhliche Treiben rund um unseren Wagen am Marsch. Der Zivildiener, Matthias, der auch die ganze Zeit in Gwalior zum Nigazhteam gehörte und ich fuhren weiter nach Agra und kamen spät abends in Delhi an.

Schon längst wieder in Madurai hörten wir von Küde Meier, dass sie den Marsch am 11. Oktober abgebrochen hatten. Die Regierung war auf sämtliche Forderungen der Landlosen eingegangen.

Mit Shanmuga hatte ich in Gwalior schon besprochen, dass wir in Tamil Nadu einen Forumtheaterworkshop für Schüler im Alter zwischen 12 und 16 Jahren zum Thema Gewalt und Gewaltlosigkeit durchführen wollen. Bei grosser und reger Teilnahme der SchülerInnen zeigten wir jeweils den Film „Ahimsa“ von Karl Sauter. Danach übten wir mit verschiedenen Methoden, wie bestimmte Situationen ohne Gewalt gelöst werden können.

*Jan von Rennenkampff ist ein in Zürich lebender Schauspieler und Theaterregisseur, der im Rahmen eines interkulturellen Theaterprojektes in Indien an der Vorbereitung und Durchführung des Marsches von Ekta Parishad nach Delhi teilnahm. Hier sein persönlicher Kurzbericht zu diesem Aufenthalt. Am 9. Dezember findet ab 17 Uhr in Zürich eine Informationsveranstaltung mit Erlebnisberichten vom Marsch statt, bei der auch der Hauptorganisator Rajagopal teilnehmen wird. Näheres dazu unter diesem Link

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