Terror vs Liebe

Auf Facebook las ich gestern diese Feststellung: “Ein gescheiterter Versuch, eine Bombe in Schuhen ins Flugzeug zu bringen, hat von einem Tag auf den andern dazu geführt, dass wer immer ein Flugzeug besteigen will, bei der Sicherheitskontrolle die Schuhe ausziehen muss. Über 30 Schiessereien in Schulen seit Columbine haben nichts verändert in der Politik der Handfeuerwaffen in den USA.”

Die Idee darüber, was Terrorismus ausmacht und wie er sich im Alltag der Menschen auswirkt, ist einschlägig, bzw. einseitig. Dass wir uns über die Waffenbesessenheit der US-Bevölkerung entrüsten, ist gerechtfertigt und ein gutes Zeichen. Viele meiner Freunde in den USA entrüsten sich nicht weniger und für sie ist es wichtig, zu wissen, dass anderswo ihre Wahrnehmung geteilt wird.

Doch wir Schweizer stehen den USA nicht weit nach: Die Schweizer Bevölkerung hat es voriges Jahr abgelehnt, die Handfeuerwaffen, bzw. deren Aufbewahrung zuhause, zu reduzieren. Letzte Woche hat das Parlament die Aufhebung der allgemeinen Wehrpflicht abgelehnt. Die Schweizer Waffenlobby, wenn auch weniger profiliert bei uns als überaus mächtige National Rifle Association in den USA, ist äusserst einflussreich. Dazu kommt eine letztendlich fatale Verirrung der Schweizer, die ein geradezu romantisches und nostalgisches Verhältnis haben zur Armee und zu den Waffen, welche beide zur Folklore gehören und ohne welche die Schweiz offenbar undenkbar sei.

A propos Nostalgie: Weihnachten ist, über die Nostalgie hinaus, welche weitgehend Teil davon ist, auch eine hervorragende Gelegenheit, in sich zu gehen, und zu fragen, wo denn unsere grundsätzliche Sicherheit liegt: im Terror der Waffen, welche zu seiner eigenen Bekämpfung eingesetzt werden? Wir erhielten von einem Freund, Alt-Nationalrat seinerseits, eine Weihnachtskarte mit einem nicht sehr bekannten Zitat von Jimmy Hendrix: Die Welt wird Frieden finden, wo die Macht der Liebe die Liebe der Macht überwindet.

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