Schützen Jodtabletten vor einer AKW-Katastrophe?

4,6 Millionen Menschen in der Schweiz erhalten Jodtabletten

Wer bis zu 50 Kilometer von einem Atomkraftwerk entfernt wohnt, erhält jetzt in der Schweiz eine Packung Jodtabletten zugeschickt. Bisher wurden die Tabletten im Umkreis von 20 Kilometern rund um Atomkraftwerke an die Bevölkerung verteilt. Die Ausweitung des Verteil-Radius wurde nach dem AKW-Unfall im japanischen Fukushima beschlossen. Die Atomkraftwerk-Betreiber wollen die Jodtabletten, die jetzt an 4,6 Millionen Menschen in der Schweiz verteilt werden, jedoch nicht bezahlen.

1969 kam es im Versuchsreaktor in Lucens in der Schweiz zu einer Kernschmelze

Werden Jodtabletten rechtzeitig eingenommen, verhindern sie, dass sich radioaktive Jode in der Schilddrüse anreichert. Die Tabletten werden verteilt weil ein Unfall in einem der fünf schweizerischen Kernkraftwerke nicht auszuschliessen ist. Ein Supergau in einem der fünf AKWs der Schweiz ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Seit es 1969 im Versuchsreaktor in Lucens in der Schweiz zu einer Kernschmelze kam, haben die Techniker in der Schweiz hoffentlich viel gelernt. Damals explodierte der helvetische Versuchsreaktor in einer Felskaverne bei Lucens in der Westschweiz.

(1) http://www.youtube.com/watch?v=Endt3lkaZhw

Greenpeace: Jodtabletten schützen nicht vollumfänglich vor den Folgen eines Kernkraft-Unfalles

Wie Greenpeace in einem amtlich aufgemachten Schreiben an alle Einwohnerinnen und Einwohner im 50 km-Umkreis der Schweizer Kernkraftwerke schrieb, „schützen Jodtabletten nicht vollumfänglich vor den Folgen eines Kernkraft-Unfalles, sondern nur vorübergehend gegen dabei freigesetztes radioaktives Jod. Es können aber weiter radioaktive Stoffe wie Cäsium oder Strontium freigesetzt werden, die Krebse und Leukämie verursachen können. Die Einnahme von Jodtabletten schützt nicht gegen diese Substanzen und ihre Folgen.“

(2) http://atomausstieg.greenpeace.org/?gclid=COK_xsuz-cECFfHKtAod0HMAjw

Beznau, in der Nähe Deutschlands, das älteste Atomkraftwerk der Welt das noch in Betrieb ist

Das älteste Kernkraftwerk der Welt das noch in Betrieb ist, in Beznau im Aargau, soll sicher sein, heisst es. Hochwasser der Aare dort soll kein Problem darstellen, Erdbeben auch nicht, auch Flugzeugabstürze auf die zwei Reaktoren seien unwahrscheinlich, sagen die Experten. Zu hoffen ist ja, dass es Katastrophen wie 1979 in Harrisburg (USA), 1986 in Tschernobyl (Sowjetunion) und 2011 in Fukushima (Japan) in der Schweiz nie geben wird. Trotz Jodtabletten müssten hunderttausende, wenn nicht Millionen Menschen bei einem grossen Unfall in einem AKW ihren Wohnort in der kleinen Schweiz, in Süddeutschland und vielleicht auch in Frankreich, Liechtenstein und Österreich für Jahrzehnte verlassen.

Wie eine Evakuierung bei einem AKW Unfall ablaufen würde ist unklar

Greenpeace schrieb in dem Brief an die Bevölkerung: „Bei einem Kernkraftunfall wird möglicherweise zusätzlich zur Einnahme von Jodtabletten eine Evakuierung angeordnet. Wie eine grossräumige Evakuierung konkret abliefe und wo die Evakuierten untergebracht würden, ist unklar. Je nach Windrichtung  und -stärke kann sich die radioaktive Wolke bei einem Kernkraftwerk-Unfall über hundert Kilometer ausbreiten. Der Bund verteilt Jodtabletten aber nur an Haushalte, Betriebe und öffentliche Einrichtungen in einem solchen 50-km-Radio und nur auf Schweizer Boden.“

Siehe auch Kurzumfrage Greenpeace: www.info-jod.ch.

Bewohner in Süddeutschland, nur wenige Kilometer entfernt vom AKW Leibstadt und der beiden AKWs in Beznau, erhalten von der Schweiz keine Jodtabletten. 

Seit 1990 Risse im AKW Mühleberg bei Bern

Die Risse im Kernmantel des AKW Mühleberg, die schon seit 1990 bekannt sind, habe man im Griff, wird gesagt. Die Risse seien durch Zuganker stabilisiert. Auch Hochwasser der Aare bei Bern, bei Mühleberg seien kein Problem. Ich erinnere mich zwar: Vor Jahren standen Häuser im Mattenquartier an der Aare unten im Bern unter Wasser. Wir hatten damals dort das Büro der Arbeitsgemeinschaft für Rüstungskontrolle und ein Waffenausfuhrverbot (ARW); der untere Stock stand unter Wasser.

Die sofortige Stilllegung von Mühleberg wurde in einer Abstimmung durch die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger des Kantons Bern am 18. Mai 2014 leider abgelehnt. Das Berner Stimmvolk hatte die Initiative „AKW Mühleberg vom Netz“ mit fast 64 Prozent Nein-Stimmen deutlich verworfen. Die Stimmbeteiligung lag bei 51,6 Prozent. Die Abstimmenden gaben sich offensichtlich damit zufrieden, dass der Stromkonzern BKW (Bernische Kraftwerke AG) im letzten Herbst versprochen hatte, den 42-jährigen Reaktor im Jahre 2019 stillzulegen.

(3) http://www.srf.ch/news/schweiz/abstimmungen/abstimmungen/abstimmungen-be/berner-lehnen-sofortige-abschaltung-des-akw-muehleberg-ab

Schweizer Parlament will keine Begrenzung der Betriebsdauer von Kernkraftwerken

In ihrem Brief an die Einwohnerinnen und Einwohner im 50 km Umkreis der Schweizer Kernkraftwerke schrieb Greenpeace zum Schluss: „Wir möchten betonen, dass die Stilllegung der fünf Schweizer Kernkraftwerke einen wirksameren Schutz gegen nukleare Risiken darstellen würde als Jodtabletten. Bisher hat es das Schweiz Parlament jedoch abgelehnt, die Betriebsdauer der Kernkraftwerke zu begrenzen.“

(1) http://www.youtube.com/watch?v=Endt3lkaZhw

(2) http://atomausstieg.greenpeace.org/?gclid=COK_xsuz-cECFfHKtAod0HMAjw

(3) http://www.srf.ch/news/schweiz/abstimmungen/abstimmungen/abstimmungen-be/berner-lehnen-sofortige-abschaltung-des-akw-muehleberg-ab

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