Niklaus Meienberg nahm „tobend, manisch-verzweifelt“ Stellung vor dem 2. Golfkrieg

Der Historiker und Journalist Niklaus Meienberg ist vor 20 Jahren im Alter von 52 Jahren gestorben. Jetzt wird in St. Gallen im Kulturraum am Klosterplatz St. Gallen zum 20. Todestag eine Ausstellung zu seinem Werk gezeigt. (www.kultur.sg.ch)

Es sollte noch mehr Historiker und Journalisten wie Meienberg geben. Meienberg hat auch kurze Zeit als Journalist bei der deutschen Illustrierten Stern gearbeitet. Am meisten beeindruckt hat mich sein Buch „Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.“ (Limmat Verlag, 1992. ISBN 978-3-85791-201-6) und der Dokumentarfilm von Richard Dindo und Niklaus Meienberg über Ernst S.

Jean-Martin Büttner schrieb im Tagesanzeiger vom 19. August 2013, zuletzt habe Meienberg seinen Ruf selber ruiniert. In einem „manisch-verzweifelten Toben gegen den Irakkrieg, mit Ausfälligkeiten“, die auch die Wochenzeitung in Zürich nicht drucken wollte. Meienberg befürchtete Furchtbares bei einem Krieg der USA mit ihren Alliierten gegen den Irak. Am 2. August 1990 hatte der Irak Kuwait gewaltsam annektiert.

Was waren die Folgen des 2. Irakkrieges, gegen den Meienberg „manisch-verzweifelt“ ausfällig werdend ankämpfte? Der Krieg der USA mit ihren Alliierten gegen den Irak, nach der militärischen Annexion von Kuweit am 2. August 1990 begann am 17. Januar 1991. Vorangegangen war diesem Krieg eine weltweite 10 Millionen Dollar Werbekampagne der Werbeagentur Hill & Knowlton für den Kriegseinsatz. Für diesen Werbefeldzug wurde die Brutkastenlüge fabriziert, die erfundene Geschichte eines Mädchens, einer Zeugin die angeblich gesehen haben wollte wie irakische Soldaten bei der Invasion Kuwaits im Jahr 1990 kuwaitische Säuglinge in einem Krankenhaus in Kuwait-Stadt aus Brutkästen herausgerissen und getötet haben sollen. Diese Behauptung stellte sich später als unwahr heraus. Der US-Senat stimmte, nicht zuletzt auf Grund dieser Brutkastengeschichte, am 12. Januar 1991 mit 52 zu 47 Stimmen für einen Krieg gegen den Irak, was 1991 zum Zweiten Golfkrieg führte. Das Repräsentantenhaus stimmte mit 250 zu 183 Stimmen für den Krieg.

Laut Schätzungen forderte der 2. Golfkrieg 100‘000 bis 200‘000 Toten auf Seiten des irakischen Militärs und der Zivilbevölkerung. Diese hohe Opferzahl waren dem Krieg und seinen Nachwirkungen zuzuschreiben, sofortige Todesfälle, Todesfälle aufgrund von Verletzungen aus Kampfhandlungen und der anschliessenden zivilen Unruhen. Die Verelendung der Menschen im Irak durch den 2. Golfkrieg und die Sanktionen haben später zudem zu einem extremen Anstieg der Säuglings- und Kleinkinder-Sterblichkeit im Irak geführt. Hans-C. Graf Sponeck, der von 1998 bis 2000 das Programm “Öl für Lebensmittel” in Bagdad leitete, schilderte in verschiedenen Büchern, auch mit dem Journalisten Andreas Zumach zusammen, wie sich der Zusammenbruch von Elektrizitätsversorgung, Gesundheitswesen, Wasserversorgung und weiter Teile der Infrastruktur sich auswirkte. Sponeck beschrieb wie Schulen und Universitäten als Folge der Politik des Westens kollabierte, wie Tausende von Kindern starben an verunreinigtem Wasser oder durch den Mangel an Medikamenten, und die Iraker hungerten, weil sie im Land kaum noch Nahrungsmittel produzieren konnten. (Irak – Chronik eines gewollten Krieges. Kiepenheuer und Witsch, Köln 2003 ISBN 3462032550)

Der 2. Golfkrieg war für die Rüstungsindustrie hingegen ein Lichtblick: Wieder einmal konnte sich Waffenfabrikanten gesund stossen, auch die Schweizer Kriegsmaterialexportindustrie belieferten die US-Alliierten die am 2. Golfkrieg und später am 3. Golfkrieg teilnahmen, wie sie vorher den Irak und den Iran mit Rüstungsgütern belieferten. Diese Geschäfte werden als verständliche Deals von „Gesunden“ taxiert, nicht als krank, wie das „manisch-verzweifelte Toben“ eines Niklaus Meienberg der vor Ausbruch 2. Golfkrieges im ausfälligen Stil Alarm schlug.

http://de.wikipedia.org/wiki/2._Golfkrieg

http://de.wikipedia.org/wiki/Brutkastenl%C3%BCge

http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Christof_von_Sponeck

Irak – Chronik eines gewollten Krieges. Kiepenheuer und Witsch, Köln 2003 ISBN 3462032550,

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