100 Jahre seit der Balfour Erklärung

Man hörte kaum davon in den Medien: am 2. November waren 100 Jahre verstrichen seit der englische Aussenminister Alfred Balfour 1917 seine im Nahen Osten folgenschwere Erklärung abgab. Für viele Beobachter ist dieses Dokument gewissermassen der Urknall des israelisch-palästinensischen Konflikts. Balfour hatte darin die englische Unterstützung zur Errichtung eines Heimatstaates Palästina für das jüdische Volk versprochen. Die grauenhaften Ereignisse des bald darauf folgenden zweiten Weltkriegs gab den europäischen Staaten die nötige Entschlossenheit, die Schaffung dieser Nation voranzutreiben, welche wir heute unter dem Namen Israel kennen.  Der Traum der zionistischen Bewegung weltweit wurde Wirklichkeit. Auf der andern Seite wurde die Balfour Erklärung zum Sockel der Katastrophe für die Palästinenser. Die Existenz des palästinensischen Volks war damals wohl den meisten jüdischen Migranten wie auch dem Grossteil der europäischen Bevölkerung nicht bewusst oder sie wurde geflissentlich ignoriert.

Zur Zeit Balfours waren 90% der Bevölkerung Palästinas Araber. 1947, nach massiver Einwanderung von jüdischen Menschen teilte die UNO Resolution 50% des Territoriums dem zu schaffenden neuen Staat zu, obwohl die jüdische Bevölkerung rund 30% betrug. Dies löste gewaltsame Aufstände auf dem historischen Gebiet Palästinas aus. Jüdische Milizen und nach der Schaffung Israels 1948 seine Armee hatten die Flucht oder Vertreibung von zwischen 700’000 und 900’000 Palästinensern aus ihren Häusern und von ihrer Heimat veranlasst. Sie nennen diese Zeit die “Nakba”, was Katastrophe bedeutet. Heute sind es 50 Jahre seit diese Menschen zu Flüchtlingen wurden und eine grosse Anzahl lebt nach wie vor in Flüchtlingslagern.

Violette Khoury, Mitbegründerin der lokalen Organisation Sabeel, erklärt, dass die bekannte und vor 50 Jahren prägende Aussage “ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land” schlicht nicht wahr ist. “Es wird geleugnet, dass die Palästinenser ein Volk mit einem Erbe sind”, sagt sie. Die Balfour Erklärung war eine Verneinung der Palästinenser und ihrer Existenz in diesem Land. Sie war “das Versprechen einer Nation an eine zweite, welche das Land einer dritten Nation einnehmen könne”.

All das heisst nicht, den Antisemitismus und das himmelschreiende Unrecht an den Juden in der Vergangenheit zu übersehen. Violette Khoury sagt: “Wenn du die Wahrheit entdeckst, kannst du nicht gleichgültig bleiben.”

Anlässlich eines Besuchs in der Region mit einer Gruppe aus dem Jura haben wir Violette Khoury getroffen. Dieser Artikel lehnt sich an den Eintrag vom 2. November auf der Website von MCC Ottawa

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